Erinnern heißt Kämpfen. Gedenken an Patrick Thürmer zu #Hot0310

Erinnern heißt Kämpfen!

HINWEIS Der Text ist zwei geteilt: Der Bericht vom Tag ist in normaler Schrift gehalten, ein Bericht von den Ereignissen vor 20 Jahren ist in Kursiv.

CN: Gewalt und Tod ist Unterstrichen dargestellt (Eine Stelle im Text)

Hohenstein-Ernstthal ist eine Kleinstadt in Sachsen, viel passiert hier nicht. Hier leben etwas mehr als 15.000 Menschen, Karl May (das ist der mit den Western, nicht der mit dem Kapital) wurde hier geboren und einmal im Jahr gibt es das Motorradrennen auf dem Sachsenring.

Am 3. Oktober 2019 war dann doch auf einmal etwas los. Auf dem Bahnhofsvorplatz versammelten sich Demonstrant_innen, es läuft Punkrock. Auf einem Hochtransprarent steht der Grund für ihre Versammlung „Patrick Thürmer – 2. Oktober 1999“. 300 Demonstrant_innen versammeln sich dann hinter dem Fronttransparent mit der Aufschrift „In Gedenken an alle Opfer rechter Gewalt“. Viele junge Menschen sind unter ihnen, einige in schwarz, andere tragen Patches auf ihrer Kleidung und sehen aus wie typische Punks in der kleinstädtischen Vorstellung.

Nachdem es im ersten Redebeitrag um Hohenstein ging, soll es losgehen. An die vom Bündnis „Chemnitz Nazifrei“ organisierte Demonstration wird sich eine Veranstaltung anschließen, bei der es eine Lesung, einen Vortrag und eine Podiumsdiskussion geben wird. Eigentlich sollte diese Veranstaltung auch in Hohenstein stattfinden, aber trotz aller erdenklichen Bemühungen, einen Raum dafür zu finden, gab es nur Absagen. Egal ob private oder städtische Räume, alle sprachen sie von „Politischer Neutralität“ oder man wolle sich nicht „auf die eine oder andere Seite schlagen“.

Welche „Seite“ das Gedenken an einen Toten sein soll, wurde dabei nicht genauer beschrieben (offener Brief des BCN: https://www.facebook.com/buendnis.frieden.toleranz/photos/a.567392356625769/2626503980714586/?type=3&theater )

Patrick Thürmer ist eines von 186 Todesopfer rechter Gewalt¹ seit 1991 in Deutschland, 19 davon allein in Sachsen. Er war 17 Jahre alt, als er im Anschluss an ein Konzert auf dem Heimweg überfallen wurde. Zuvor gab es eine Auseinandersetzung zwischen Punks und Nazis.

Für den 1. Oktober 1999 war ein Punkkonzert angekündigt worden. Schon am Nachmittag trafen sich Punks vor dem Jugendhaus „Off Is“ und freuten sich auf einen guten Abend mit Musik, Tanz und kühlen Getränken. Von diesem Konzert hatten aber auch Nazis erfahren und so kam es schon am frühen Abend zu ersten Verletzten. Die angreifenden Nazis/kritische Bürger konnten sich im Zweifelsfall immer wieder in die Diskothek „La Belle“ zurückziehen, welche sich in direkter Nachbarschaft zum Jugendhaus befand.

Nach der Kundgebung am Bahnhof lief die Demonstration in Richtung des Tatortes, an welchem Patrick später gefunden worden war. Vorbei an Wohnhäusern führte die Route nach Oberlungwitz, einen Ort weiter. Mit Nieselregen und pfeifendem Wind gab auch das Wetter an diesem Tag der Stimmung im Demonstrationszug die passende Kulisse. Dort angekommen kam ein Anwohner auf uns zu, er pöbelte, war aggressiv, dabei kam dennoch heraus, dass die Gedenktafel, die am Tatort an Patrick erinnert und von Freunden von ihm angebracht worden ist, demoliert und hinter einem Baum versteckt worden war. Teilnehmende der Demonstration hoben diese nun auf und reinigten sie.

Dabei zeigte sich, dass sie beschmiert worden war (https://twitter.com/johannesgrunert/status/1179703060676919296). Nach seinem Abgang pöbelte dieser Anwohner gegen Demonstrierende und Politzist_innen auf seinem Grundstück weiter.

Ein Redebeitrag über die damaligen Geschehnisse in Hohenstein wurde anschließend verlesen.

Nachdem die Punks im Jugendhaus das „La Belle“ als Rückzugsort der Nazis identifizierten hatten, zogen ca. 30-60 von ihnen vor die Diskothek. Hier gab es im Erdgeschoss große Schaufenster, hinter denen die Nazis gestanden haben sollen und oberkörperfrei provozierende Gesten zeigten. Es kam zu einem Angriff von Punks auf das „La Belle“, dabei wurden auch umstehende Fahrzeuge beschädigt, da diese für Autos der Nazis gehalten wurden (am Ende zeigte sich, dass nur zwei von Nazis waren, der Rest gehörte Anwohner_innen). Nach der darauf folgenden Massenschlägerei zogen sich die Punks zurück. Die bereits anwesenden Nazis riefen in der Zwischenzeit Verstärkung aus Chemnitz, im speziellen mit Thomas Hallers „HooNaRa“ ( Abk. für Hooligans, Nazis, Rassisten) waren sie vernetzt. Keine halbe Stunde später trafen diese in Hohenstein ein.

Die Demonstration lief vom Tatort aus zurück nach Hohenstein-Ernstthal, trotz des schlechten Wetters blieben die Menschen laut, nur selten konnte im gesamten Demozug die Musik vom Lastenrad gehört werden. Der Platz für die nächste Zwischenkundgebung wurde dann in der Conrad-Claus Straße bezogen, direkt vor dem „La Belle“ und nur 100 Meter vom Jugendclub (beide geschlossen/umgezogen ) entfernt. Hier ging es nun darum, ob die Nacht von Patricks Tod ein Nachspiel gehabt hätte.

Es kam schon zwei Tage später zu einer ersten Antifaschistischen Spontandemonstration, bei der Parolen an Wände gesprüht und auch ein Fahrzeug beschädigt worden war. Ebenfalls ereignete sich ein versuchter Brandanschlag innerhalb weniger Tage. Der geworfene Molotovcocktail prallte damals ab und zersprang auf dem Gehsteig. Auch die Gerichtsverhandlungen waren ein Thema, besonders schockierend damals ein Urteil, welches Klecks betraf. Klecks war der Kumpel von Patrick, der mit ihm zusammen nach Hause laufen wollte und auch zusammengeschlagen wurde. Er konnte fliehen und versteckte sich unter Schock in einer Sparkassenfilliale; verurteilt wurde er wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Geldstrafe.

Nach diesem Redebeitrag wurden 19 Schilder ausgeteilt, auf ihnen standen die Namen der in Sachsen von Rechtsradikalen getöteten Menschen. Diese sollten auch im nächsten Redebeitrag eine Ehrung finden. Auf dem Markt der Stadt gab es erneut eine Kundgebung, an deren Ende Rosen und Nelken ausgeteilt wurden. Danach  sctrat die schweigende Demonstration nun ihren Weg zum Gedenkstein an.

Als die Hooligans in Hohenstein eintrafen, dauerte es nicht lange, bis sie sich vor dem Jugendhaus aufstellten. Aus der oberen Etage wurden sie mit Flaschen und anderen Wurfgegenständen attackiert, damit wurden sie auf Abstand gehalten. Andere Punks verbarrikadierten unten die Türen. Es dauerte lange, bis die Polizei eintraf, dann bildeten sie ein Spalier vor dem Jugendhaus und alle darin Befindlichen wurden abgeführt. Im nahegelegenen Revier wurden diese dann in „Schutzhaft“ genommen, so die Aussage der Polizei damals. Erst am nächsten Tag wurden die letzten von ihnen nach Verhören und Befragungen entlassen.

Klecks und Patrick waren nicht unter ihnen, sie flohen über das Dach des angrenzenden Amtsgericht, wollten Polizei und Nazischlägern entgehen.

Es ist beeindruckend, wenn 300 Menschen, die zuvor noch laut und kämpferisch waren, nun bedächtig schweigend durch die engen Straßen einer Kleinstadt ziehen. Die Schritte hallen von den Häusern wider. Still kommt die Demonstration am Gedenkstein an, hier warten die Mutter und Schwester von Patrick. Zusammen mit der RAA haben sie einen Redebeitrag geschrieben, sie gedenken auf ihre Art ihrem Sohn und Bruder, sagten aber auch Danke an die Opferberatung, die so viele Jahre mit ihnen zusammen um ein würdiges Gedenken gestritten; und den Menschen des „Bündnis Chemnitz Nazifrei“, die dieses würdige Gedenken organisierten. Beim Blick in die Gesichter sah man die Betroffenheit aller Anwesenden. Nach einer Schweigeminuten wurden die Blumen niedergelegt, dazu hatte sich die Familie Musik gewünscht, abgesehen von der Musik blieb es still. Und die Stille blieb bestehen, eine beinahe greifbare Stimmung entstand.

Doch leider kamen sie nie an. Als sie durch Oberlungwitz liefen, hielt auf einmal ein blauer Kleinbus neben ihnen, drei Männer stiegen aus. Sie hatten einen Billardque und einen Axtstiel bei sich. Sofort attackierten sie Patrick und Klecks. Klecks stellte sich bewusstlos und konnte so einer weiteren Tortur entgehen. Patrick konnte dies nicht. Sie schlugen auch weiter auf ihn ein, nachdem er das Bewusstsein verloren hatte, als letztes zertrümmern sie seine Kniescheibe, um zu überprüfen ob er nicht simuliert. Anschließend warfen sie ihn dann in den Lungwitzbach. Am nächsten Morgen fanden ihn Passanten, mit dem Helikopter kam er in die Klinik, leider zu spät. Er verstarb am Vormittag des 2.10.1999 im Klinikum.

Auf dem Rückweg hatte sich die Stimmung der Demonstration verändert, zwischen laute, wütende und käpferische Rufe mischte sich auch Betroffenheit und Trauer. Es ging um einen von ihnen, einen von uns.

Eigentlich sollte es am Bahnhof noch eine „Küche für Alle“ vor der gemeinsamen Abreise geben. Auch ein Redebeitrag war geplant. Leider sah sich die Staatsmacht gezwungen, wegen eines angeblich verklebten Stickers eine Person aus der Demo zu ziehen und sie zu zwingen, den Sticker zu entfernen – um dann großmütig von einer Anzeige abzusehen „da ja kein Schaden entstanden sei“.

Vor dem Beenden der Kundgebung gab es noch einmal ein Dankeschön an alle Beteiligten, die Organisatoren vom Bündnis Chemnitz Nazifrei, die Opferberatung RAA und den Teilnehmenden, die sich bei Nieselregen und Kälte in einer sächsischen Kleinstadt versammelt hatten, um Patrick zu gedenken.

Nach der Demonstration gab es eine Veranstaltung in Chemnitz, die das Thema der Demonstration noch einmal vertiefte. Dabei gab es einen Vortrag, eine Lesung mit Heike Kleffner aus ihrem Buch „Unter Sachsen – Zwischen Wut und Willkommen“ und einer anschließenden Podiumsdiskussion.

Es war eine gelungene Veranstaltung, zum 20. Todestag. Ein würdiges Gedenken war möglich und dennoch waren Trauer und Wut eine klare Verbindung eingegangen. An n diesem Tag wurde eine Parole Wirklichkeit: Kein Vergeben! Kein Vergessen!

 

Quellen:

1: Amadeo Antonio Stiftung

Chemnitz (27. August 2018)

Uff.
Ich saß selten so ratlos vor dem PC, um einen Artikel für Communique zu verfassen. Aber ich bin auch selten so ratlos von einer Demo zurückgekommen – und habe noch nie als Demonstration als solche flüchten müssen. Das war keine Abreise am Montag, das war ein Rückzug. Ein Rückzug, der den Nazis die Stadt überlassen hat, der Chemnitz in dieser – wie auch in der vorangegangenen Nacht – zu einem No-Go-Area für alle machte, die nicht ausreichend aussahen, um von den Nazis wenigstens in Ruhe gelassen zu werden.

Hintergrund der Eskalation war vorgeblich eine Auseinandersetzung auf dem Stadtfest in der Nacht von Samstag auf Sonntag, bei welcher ein Deutscher mit kubanischem Hintergrund erstochen worden war. Anhand der momentan verfügbaren Informationen war die Person wohl mindestens bauchlinks. Dennoch – die Person war Deutscher, die Täter waren es angeblich nicht – für die Nazis ausreichend Material, um eine der übelsten Eskalationen zu beginnen, die Deutschland in den letzten Jahren gesehen hat. (Und dabei gab es mit Freital, Heidenau, Bautzen und Wurzen genügend Situationen, in denen bereits die Weichen für die heutige gestellt wurden.)

Nachdem in der Nacht zum Sonntag und am Sonntag Menschen von Nazis durch die Stadt gejagt worden waren, hatte sich für den Montag Nachmittag Gegenprotest formiert. Eine gemeinsame Anreise aus zwei sächsischen Großstädten war organisiert worden (Leipzig und Dresden), aus Berlin und anderen Städten kamen Einzelanreisen und sogar zwei Genoss_innen aus dem Umkreis Regensburg (Immer noch Probs!) waren nach Chemnitz gekommen.

Schlussendlich waren wir ca. 2000 Menschen auf der Gegendemonstration.

Schlussendlich waren die Nazis unter dem Karl-Marx-Kopf 5000 bis 8000 Personen.

Schlussendlich war die Polizei mit 300 Einsatzkräften vor Ort. Und zwei Wasserwerfern, die jedoch mehr Deko waren.

Auf der Gegendemonstration war das gesamte Spektrum vertreten, welches ein Gegenprotest annehmen kann: autonome Sportgruppen standen neben bunt gekleideten Menschen mit Schildern und Familien mit kleinen Kindern. Einige spielten Flöte,
andere riefen Parolen.

Auch bei den Nazis war das gesamte Spektrum vertreten, da wehten AfD-Fahnen neben Mitglieder_innen des III. Weg und der „Frauenmarsch“ stand konfliktlos neben autonomen Nationalisten. Auch die Identitäre Bewegung hatte mindestens zwei Kader vor Ort (Namen folgen, Schreibfluss steht).

Beide Veranstaltungen standen sich gegenüber, nur wenige Meter (und eine Straße) trennten sie voneinander. Außerdem einige Einsatzfahrzeuge und Hamburger Gitter, welche zur Trennung aufgestellt bzw. geparkt worden waren.
Sollte das Spektakel zunächst auf zwei Kundgebungen hinauslaufen, wurde den Nazis schließlich, nach mehreren Stunden, kurzfristig doch die Möglichkeit gegeben, einmal den Innenstadtring zu umrunden und ihre ursprüngliche Demoroute zu laufen.
Sie hatten noch einige Schwierigkeiten, ausreichen geeignete Ordner_innen zu finden, konnten dann jedoch starten. Dabei gab es mindestens einen Versuch, auf die Gegendemo zu gelangen, der nur unter großen Schwierigkeiten von Seiten der Polizei aufgehalten werden konnte.

Steine, Flaschen, Böller und Feuerwerkskörper flogen in Richtung der Gegendemonstration. Aufgrund der Bäume im Park und der örtlichen Gegebenheiten wurde die Lage sehr schnell sehr unübersichtlich. Der bürgerliche Teil der Demonstration war sichtlich überfordert. Erfahrenere Aktivist_innen bildeten Ketten um den bürgerlichen Teil der Demo, um diesen im Notfall gegen durchbrechende Faschos abschirmen zu können. Kleinere Gruppen hielten sich in mehreren Metern Entfernung vor der gesammelten Demo auf, um bereits hier die „erste Reihe“ zu bilden und den Durchbruch in möglichst hoher Entfernung zur Demo aufzuhalten.
Die Gruppen agierten dynamisch miteinander und wussten, welches Risiko sie gerade eingingen. Meinen Dank hiermit an die Menschen und Gruppen, die bereit waren, ihre körperliche Unversehrtheit als erste Reihe aufs Spiel zu setzen und auch an jene, welche in der eigentlichen Demo dann die ersten Reihen bildeten und die restlichen Teilnehmenden abschirmten.
Einige Aktivist_innen versuchten die Passage, durch welche die Nazis problemlos die Kundgebung hätten stürmen können, zu verbarrikadieren, wurden jedoch von der plötzlich doch handlungsfähigen Staatsgewalt mit körperlicher Gewalt und Pfefferspray daran gehindert.

Aufgrund des fehlenden Schutzes und des weiter ansteigenden Gefahrenpotentials beschloss die Anmeldung, die Kundgebung aufzulösen und einen gesicherten, gemeinsamen Rückzug zum Hauptbahnhof zu ermöglichen. Ein Teil der Demonstration spaltete sich hier ab, um als größtmögliche Gruppe gemeinsam zum AJZ zurückzukehren.

Der geordnete Rückzug sollte eigentlich von der Polizei geschützt werden, davon war jedoch nichts mehr zu spüren, als plötzlich von allen Seiten kleine und größere Gruppen an Nazis auftauchten. Gewaltbereit, pöbelnd und wissend, dass die Straßen diese Nacht ihnen gehörten, war es definitiv nicht der Planung und dem Schutz der Staatsgewalt zu verdanken, dass die Demo dennoch größtenteils unversehrt den Bahnhof erreichte. Auch hier wurden wieder Ketten gebildet, die erfahreneren Aktivist_innen hielten die restlichen dazu an, als enger Block zu laufen, geschützt von den äußeren Ketten. Teilweise waren Kinder/Jugendliche in der Demo, diese wurden in den mittleren Teil geschafft und von so vielen Menschen wie möglich abgeschirmt.

Die Stimmung war mehr als nur angespannt, wir wussten alle, dass uns, sollte eine große Gruppe Faschos, die bereits in ihrer Kundgebung mit Quarzsandhandschuhen und Pfefferspray zu sehen gewesen waren, im Ernst unsere Demonstration angreifen, es würde Schwerverletzte geben. Auf die Polizei war kein Verlass. Dazu kam es glücklicherweise nicht und die Erleichterung war beinahe mit Händen zu greifen, als wir den Bahnhof erreichten. Die kämpferischen Parolen, welche daraufhin ertönten, dienten mehr der Audioalisierung dieser, denn ernst gemeinten Ansagen, waren dennoch eine gute Möglichkeit, um uns noch einmal ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu vermitteln – und es hallte ganz wunderbar im Bahnhof.

Zurück im Zug blieb ein schales Gefühl zurück. Mutlosigkeit, Angst um die in Chemnitz Gebliebenen, eine Prise Verzweiflung und ganz viel Wut.

Alles davon werde ich mitnehmen, wenn ich wieder nach Chemnitz fahre.

Communiqué – Repression

Es lässt sich sehr leicht über staatliche Gewalt und deren Sinnlosigkeit philosophieren, wenn man selbst dann aber plötzlich im Visier des Verfassungsschutzes steht, versteht man, warum man ihr entgegentreten muss.

Am Dienstag den 16.05.2017 wurde ein Aktivist und Autor von Communiqué Opfer staatlicher Repression. Auf der Arbeit verhaftet, die Wohnung krankhaft genau durchsucht und die „Waffen“ von Communique beschlagnahmt: eine Kamera, ein Laptop und ein Handy – Die peinigende Methodik der Exekutive. Was uns wirklich zu tränen rührte war eure Solidarität…

Bereits wenige Stunden nach einem solch feigen Eingriff in die Lebens- und  Privatsphäre, der mit keiner konkreten Anschuldigung begründet wurde, konnten wir durch Eure Unterstützung unsere Weiterarbeit provisorisch sichern und sind Allen, die spendeten oder in dieser harten Zeit für uns da waren, zu tiefem Dank verpflichtet. Dankeschön, im Namen des Betroffenen und mit ihm stets auch im Namen Communiqués.

Unsere Waffen sind Worte und sie werden uns nie zum Schweigen bringen!

Doch geht es hier nicht um einseitigen Profit durch Eure Courage und Empathie, wir möchten Eure enorme Solidarität zu jeder Zeit im Kopf behalten und sie in geschlossener Faust weitertragen, in die kämpferische Rigaer Straße, in die von der Räumung bedrohte Friedel54, in den kurdischen Freiheitskampf rund um Kobanê, zur aktuellen Hausbesetzung in Bochum und sie über- und weitergeben an alle, die in schweren Zeiten einen solidarischen Zuhörer, Partner oder Freund gebrauchen können.

We are here, and we will fight! – Freedom of speech, is everybody’s right! Contre le Repression!

Wer helfen möchte: Was wir gerade sehr brauchen sind Geldspenden um damit verbundenen Kosten entgegenzutreten: https://www.leetchi.com//c/projekt-von-autonomes-reisen