Berlin – 1. Mai, zwischen Antisemitismus, Touris und Revolution

Der 1. Mai in Berlin – Zwischen Antisemitismus, Touris und Revolution.

Der 1. Mai in Berlin feierte 2017 sein 30 jähriges Bestehen, zeigte zu diesem Anlass allerdings auch deutlich seine zahlreichen Gebrauchsspuren. Communiqué war vor Ort und berichtet aus der Sichtweise eines Journalisten.

Gegen 13 Uhr starte der Tag in Neukölln mit der Antisemitischen Jugendwiderstands Demo, die rund 200 offensichtlich verwirrte Personen auf die Straße brachte, die „wahnsinnig sinnvolle“ Demosprüche wie „Für die Antifada – Gegen Antisemitismus“ oder „Allahu Akhbar“ auf die Straße brachte. Wir, als Journalist*Innen wurden bereits nach wenigen Minuten körperlich durch agressive Teilnehmer bedroht und brachen die Berichterstattung nach rund 15 Minuten ab, da für die Sicherheit und Unversehrtheit unserer Genossen und Genossinnen keine Garantie übernommen werden konnte.

Später des selben Tages sollte es mit der 16 Uhr Demo „Revolutionärer 1. Mai“ weitergehen, bei welcher vorab allerdings Streit zwischen dem Revolutionären Bündnis 1. Mai und antisemitischen Gruppierungen, sowie ein Interner Streit im Bündnis ausbrach, der zur Abspaltung einiger teilnehmender Gruppen führte. Es waren diese Gruppierungen die dann zur Alternativ-Demo auf dem Lausitzer Platz aufriefen. Es geschah was geschehen musste – Einige Touristen und Teilnehmer verwechselten die frisch veranstaltete Demo, deren Spitze sich aus Aktivisten der Gruppen BDS, Jugendwiderstand und F.O.R. Palastine zusammensetzte, mit der des Bündnisses Revolutionärer 1. Mai, wodurch erstere schnell anwuchs. Die Polizei verweigerte der Demo ins Myfest zu ziehen.

Kurz nach 18 Uhr startete dann die unangemeldete Revolutionäre 1. Mai Demo mit ca. 8.000 – 10.000 Aktivist*Innen. Nach einem euphorischen Auftakt durch das Myfest, der komplett ohne Polizeieingreifen mit viel Pyro und Böller erfolgte, empfingen am Ausgang des Myfestes tausende Polizist*Innen den Demoblock, wodurch der weitere Verlauf quasi im Polizeispalier beschritten wurde. Unverständlich bleibt, warum eine unangemeldete Demo nicht auch einfach mal von der veröffentlichten Route abweicht um sich gegen den massiven Polizeikessel zu wehren. Vor der Friedel54 und an der Abschlusskundgebung kam es zu kurzzeitigen Ausschreitungen, bei welchen viele unpolitische Tourist*Innen und Angereiste die Polizei angriffen, die radikale Linke größtenteils dahingegen nur zuschaute. Bei jenen Ausschreitungen kam es zu 72 Festnahmen, 32 verletzten Polizist*Innen und einen Übergriff auf den äußerst beliebten Politiker Tom Schreiber, als dieser versuchte in dem Demonstrationsblock zu gelangen.

Eins ist klar: Die Revolution wird kommen, ob es jedoch an einem 1.Mai im Berlin passieren wird bleibt ungewiss.

Communiqué – Repression

Es lässt sich sehr leicht über staatliche Gewalt und deren Sinnlosigkeit philosophieren, wenn man selbst dann aber plötzlich im Visier des Verfassungsschutzes steht, versteht man, warum man ihr entgegentreten muss.

Am Dienstag den 16.05.2017 wurde ein Aktivist und Autor von Communiqué Opfer staatlicher Repression. Auf der Arbeit verhaftet, die Wohnung krankhaft genau durchsucht und die „Waffen“ von Communique beschlagnahmt: eine Kamera, ein Laptop und ein Handy – Die peinigende Methodik der Exekutive. Was uns wirklich zu tränen rührte war eure Solidarität…

Bereits wenige Stunden nach einem solch feigen Eingriff in die Lebens- und  Privatsphäre, der mit keiner konkreten Anschuldigung begründet wurde, konnten wir durch Eure Unterstützung unsere Weiterarbeit provisorisch sichern und sind Allen, die spendeten oder in dieser harten Zeit für uns da waren, zu tiefem Dank verpflichtet. Dankeschön, im Namen des Betroffenen und mit ihm stets auch im Namen Communiqués.

Unsere Waffen sind Worte und sie werden uns nie zum Schweigen bringen!

Doch geht es hier nicht um einseitigen Profit durch Eure Courage und Empathie, wir möchten Eure enorme Solidarität zu jeder Zeit im Kopf behalten und sie in geschlossener Faust weitertragen, in die kämpferische Rigaer Straße, in die von der Räumung bedrohte Friedel54, in den kurdischen Freiheitskampf rund um Kobanê, zur aktuellen Hausbesetzung in Bochum und sie über- und weitergeben an alle, die in schweren Zeiten einen solidarischen Zuhörer, Partner oder Freund gebrauchen können.

We are here, and we will fight! – Freedom of speech, is everybody’s right! Contre le Repression!

Wer helfen möchte: Was wir gerade sehr brauchen sind Geldspenden um damit verbundenen Kosten entgegenzutreten: https://www.leetchi.com//c/projekt-von-autonomes-reisen

Köln – Proteste gegen den AfD Parteitag

(c) by 24mmjournalism.com

22.04.2017, Köln. Die Attitüde war klar: Nein zum AfD Bundesparteitag!
Im Vorhinein wurde von konservativen Medien (Focus) viel spekuliert, gar von „Bürgerkriegs-ähnlichen Zuständen“ gesprochen. So fuhr Freund und Helfer, die Polizei, 4000 Polizist*Innen, 4 Wasserwerfer, etliche Reiterstaffeln und unzählige Polizeiwägen auf. Die Proteste selbst begannen bereits um 7 Uhr morgens, wobei es im Laufe des Vormittags einige Schwächen der Sternmärsche auszubessern galt, den es fehlte an vielen Orten an Planung und Schlagkraft. Dennoch kam es, durch die geschickte Aufstellung an anderen Versammlungsorten zu Straßen- und Fahrradblockaden. An einigen Punkten an denen AfD-Mitlieder das Hotelgelände betraten, gab es direkte Proteste, der Polizei gefiel dies anscheinend nicht und so schritten sie aggressiv ein. Die AfD musste ihren Parteitag durch die Proteste verspätet beginnen.

Gegen 13 Uhr startete dann die Großdemonstration „Köln gegen Rechts“ mit ca. 20.000 Teilnehmer*Innen, wobei es aus der Demo heraus zu einem Angriff auf eine McDonalds- und eine Commerzbankfiliale kam, bei welchem ein Fenster bzw. eine Tür zu Bruch gingen. Ansonsten blieb die Demo überwiegend friedlich und war eher als eine große Werbeaktion für eine hoffentlich starke Gegenwehr bzgl. des anstehenden G20 Gipfel in Hamburg zu sehen. Die Polizei meldete zum Tagesabschluss 2 verletzte Polizist*Innen, die AfD im Tagungshotel Maritim die große Spaltung. An einem Karnevalsumzug gegen die AfD nahmen weitere 7.000 Menschen teil.

Retrospektiv ist klarzustellen, dass man die Proteste gegen den Parteitag der Rassist*Innen der AfD in Köln als ein Erfolg betrachten kann, auch wenn es an vielen Stellen bei unausgeschöpftem Potential blieb.

Die Bilder wurden uns vom sehr talentierten Fotografen 24mmjournalism zur Verfügung gestellt – Dankeschön hierfür. Unbedingt vorbeischauen: https://24mmjournalism.com/

Lasst uns kämpfen gegen Rassismus!

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